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TANZ AUS NRW IN NRW UND DARÜBER HINAUS SICHTBAR MACHEN










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TANZweb.org


Recherche, Arbeitsprozesse und Auseinandersetzungen im und mit dem TANZ und vor Allem die daraus entstehenden Werke und die damit verbundenen Künstlerpersönlichkeiten sichtbar und erlebbar zu machen, ist eines der zentralen Themen von SEEDance, der Trägergesellschaft von TANZweb.org.


Das Schreiben von TANZ und die Interpretation dieser "Texte" und deren Autoren durch die Tanzkünstler (aber auch die Rezeption dessen in Wort und Bild) liefern Gesellschaften und Individuen gleichermaßen authentische Ansätze für Gestaltungs- und Überlebensstrategien des Einzelnen in einer zeitgenössischen Wirklichkeit und der Fiktion und Vorbereitung einer nahen Zukunft.


Die Kunstform TANZ konzentriert sich weitgehend auf die letzte Bastion des Individuums zur Bestimmung seiner Identität in einer globalen und weitgehend virtuellen Welt: den eigenen Körper und dessen unverwechselbare Abgrenzung, Dynamik und Bewegung in Raum und Zeit.


Aufbauend auf die Erfahrungen und Erfolge von tanZwebkoeln.de soll beginnend in 2014 mit der konsequenten Ausweitung zunächst auf die südliche Rheinschiene, sukzessive das proklamierte Tanzland NRW in seinen einzelnen Hochburgen, Zentren und Ballungsgebieten erfasst und begleitet werden.


Das NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) | Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Sichtbarmachung von Tanzstädten und -regionen in NRW in Kooperation mit TANZweb.org


Als Ziel haben wir uns als Unternehmen TANZweb.org, gemeinsam mit privaten Mäzenen und Förderern, vorgenommen, das "TANZwebNRW.de" (und darüber hinaus) in naher Zukunft in ein europäisches Netzwerk einzubinden.



 

DORTMUND

©Ursula Kaufmann


Verdammt in der Thesenhölle


Choreograf Richard Siegal vollendet seine Trilogie zu Dantes „Göttlicher Komödie“:

„Three Stages: Model + In Medias Res + El Dorado“


Nachtkritik von Nicole Strecker


HIER GEHT ES ZU DEN VIDEOIMPRESSIONEN

HIER GEHT ES ZU DEN VIDEOIMPRESSIONEN VON „IN MEDIAS RES“



In dieses Paradies möchte man aber lieber nicht geraten. Raumberstende Klanggewitter, Lichtstörungen, schmutzig-graues Wasser, das die Bühne vollsuppt. Und zwei adam-nackte Menschen, denen die Glieder wegknicken und die offenbar eine schwere, niemals zu tilgende Schuld quält. Dante? Eher schon Miltons „Paradise Lost“. Oder eben: Die freie Fantasie von Richard Siegal, der mit dem von ihm „El Dorado“ genannten dritten Teil seine Trilogie zu Dantes „Göttlicher Komödie“ beendet. „Three Stages: Model + In Medias Res + El Dorado“ so der lange Titel für einen langen Abend.

Schon der italienische Dichter war nicht gerade zimperlich mit Apokalypsen- und Splatterfantasien und seine „Göttliche Komödie“ wird gemeinhin weniger als Himmelfahrt denn als Höllensturz gelesen. Aber gäbe es ein Ranking der finstersten Dante-Adaptionen – der amerikanische Choreograf Richard Siegal läge gewiss ziemlich weit vorn. Von wegen Purgatorium und Paradies. Bei ihm dauert das Inferno gefühlt ewig, konkret: viereinhalb Stunden, und darin schickt er so ziemlich jede Erlösungsfantasie zum Teufel, die der Mensch sich mal ersonnen hat. Der klassische Tanz? Zur Hölle damit. Utopischer Widerstand und Revolutionen? Die Hölle auf Erden. Und Religionen, Liebe, die Kunst? Hölle, Hölle, Hölle.



©Klaus Dilger_Richard Siegal „MODEL“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „MODEL“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „MODEL“


Teil eins, also Dantes Inferno, heißt bei Richard Siegal „Model“ und ist - rückblickend betrachtet - noch der gelungenste, schönste Teil. Immerhin zirkeln hier seine famosen Tänzer auf Spitzenschuhen und Söckchen als cool-sexy Dämonen und Schimären die Höllenkreise ab und zerlegen souverän das Ballettidiom, also eben das Modell des Tanzes schlechthin. Vogelgleiches Aufflattern der Arme, schiefe Hüften, schneidig die Luft zersäbelnde Beine. Getanzte Hermaphroditen-Erotik und extravagantes Bewegungsmaterial, was den Ex-Forsythe-Tänzer Siegal als einen der talentiertesten Adepten der Dekonstruktivisten-Schule kenntlich macht. Aber wehe, wenn Siegal der dramaturgische Ehrgeiz packt.

Das geschieht dann leider ab Teil 2 seiner Trilogie: dem Purgatorium, in dem allerdings wenig gereinigt, dafür viel geschmutzt wird. Die Tänzer manschen auf einer Baustellen-Bühne mit Zement und Farbe und proben mit vermeintlichen Widerstandsikonen wie Ulrike Meinhof den Aufstand. Aber man weiß ja: Wer Sünden radikal tilgen will, schafft selber neue. Womit Siegal bei der Urfrage seiner Trilogie wäre: Was bringt überhaupt das Böse in die Welt? Das klärt sich in Teil 3: Siegals Paradies.



©Klaus Dilger_Richard Siegal „IN MEDIAS RES“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „IN MEDIAS RES“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „IN MEDIAS RES“


Statt eines krawalligen Ensembles gibt es nun nur noch zwei Tänzer auf der Bühne: Corey Scott-Gilbert, ein Ausnahmetänzer mit einem begnadeten Körper: schlanke Muskeln, großgewachsen und trotzdem superflexibel – der Usain Bolt des zeitgenössischen Balletts. Und der 77jährige Gus Solomons junior, ein Held des postmodernen Tanzes. Die beiden begegnen sich wie Vater und Sohn. Sie stehen einander gegenüber, imitieren in einer wunderbar behutsamen Gestenchoreografie die Bewegungen des anderen – als blickten sie in einen Spiegel und sähen ihr jüngeres beziehungsweise älteres Ich. Im Hintergrund kniet eine Frau, die mit ihrer üppigen Weiblichkeit aussieht wie eine Fleisch-gewordene Venus von Willendorf. Sie ist das ewig Weibliche, das das männliche Ego hinanzieht. Denn wenn dann noch das Orakel aus der Ödipus-Sage zitiert wird und der ältere den jüngeren Tänzer als „Motherfucker“ beschimpft, wird vollends klar, was Siegal als männliche Urschuld ausfindig macht: das ödipale Begehren der Mutter.



©Klaus Dilger_Richard Siegal „EL DORADO“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „EL DORADO“


Andererseits: So ganz ernst nehmen muss man diese Botschaft wohl nicht, denn die Szene bleibt nur oberflächlich eingestreute Referenz – wie Siegal überhaupt mit Theorien, Zitaten und sonstigen Bildungsbrocken um sich schmeißt als wäre er Nietzsches übermenschlicher Wertezertrümmerer. Ist das noch Sarkasmus oder schon kindisch? Siegals „El Dorado“ jedenfalls verheißt trotz Goldregen, paradiesischer Nackigkeit und göttlichem Auge am Bühnenhimmel keine Erlösung. Auch hier schleift er vor allem mit patzig-nerviger Provokationslust letzte Hoffnungs-Bastionen der Sinnsucher: Die Liebe und die Kunst.



©Klaus Dilger_Richard Siegal „EL DORADO“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „EL DORADO“



©Klaus Dilger_Richard Siegal „EL DORADO“


Obwohl sich solche inhaltlichen Schwächen schon in früheren Stücken von Siegal bemerkbar machten, ist er hierzulande immer noch die große Hoffnung des freien Tanzes. Seit kurzem hat er für seine Kompanie „Ballet of Difference“ neben der Stadt München einen zweiten Kooperationspartner: das Land NRW und die Stadt Köln, die sich freut, wenigstens teilzeitweise eine halbe Kompanie ihr eigen nennen zu dürfen. Und klar: Mit Richard Siegals Forsythe-geprägter Ästhetik grenzt sich die Domstadt deutlich von Martin Schläpfer im benachbarten Düsseldorf ab und garantiert trotzdem hochvirtuosen Spitzentanz. Doch nach seinen letzten Arbeiten, zu denen eben auch sein Höllentrip zählt, kann man nur hoffen, dass er sich bald einen energischen Dramaturgen zulegt. Der strebsame Zeitdiagnostiker Siegal ist verloren im Ideen-Paradies. Der Choreograf in ihm hat den göttlichen Funken.



©Klaus Dilger_Richard Siegal „EL DORADO“

 



BÖSE (DARK SIDE)

 

 

Teil III der Trilogie um Seelentiefe – nach „Missing Links“ und „Die Messe“. „BÖSE“ beschäftigt sich mit den dunklen Seiten des Menschen – skurril, gefährlich, komisch. Das Dunkle schleicht sich subtil in unseren Alltag.


Alles geht schnell – nichts aber geschieht ganz plötzlich. Es braut sich was zusammen.

Auch auf der Bühne.

 

Das Thema und die Inszenierung sind begründet in der Undurchschaubarkeit dieser Welt.

 

Drei Darsteller Schauspieler sind die Protagonisten des Stücks. Sie spielen alle Rollen.

Kreation: Rolf Dennemann

Von und mit Elisabeth Pleß (Performance), als Gast Paul Hess (Tanz), Linus Ebner

Team:

Produktionsleitung: Beate Conze

Assistenz: Laura Lehmann

 

Aufführungen:

2./3.9. im Theater m Depot/Dortmund, am 8./9.9. in der Rü Bühne in Essen und am 15./16.9.2017 im Theater Rottstraße5 Bochum.

 

ESSEN

ESSEN

Ben Van Cauwenbergh bleibt am Aalto Ballett Essen

Der Vertrag mit dem Essener Ballettintendanten wurde bis zur Spielzeit 2022/2023 verlängert

 

Essen. Ben Van Cauwenbergh bleibt bis einschließlich der Spielzeit 2022/2023 Intendant des Aalto Ballett Essen. Das hat der Aufsichtsrat der Theater und Philharmonie Essen GmbH (TUP) in seiner Sitzung am 13. September 2017 bestätigt. „Wir danken Herrn Van Cauwenbergh für seine ausgezeichnete Arbeit und freuen uns, dass er sein außerordentliches Engagement und seine Kreativität auch weiterhin dem Aalto-Theater und unserem Publikum zur Verfügung stellen wird“, so der TUP-Aufsichtsratsvorsitzende Franz-Josef Britz. Dem 59-Jährigen sei es durch sein gemischtes Programm, in das er vermehrt auch Kreationen anderer international renommierter Choreografen wie zuletzt Patrick Delcroix („Die Odyssee“), Jiří Kylián („Archipel“) oder Alexander Ekman („3 BY EKMAN“) integriert hat, auf hervorragende Weise gelungen, neue Besucherschichten zu erschließen und herausragende Zuschauerzahlen – in den vergangenen Spielzeiten betrug die Platzauslastung bei Ballettvorstellungen im Aalto-Theater immer um die 80% – zu erzielen.

Seit der Saison 2008/2009 ist Ben Van Cauwenbergh in Essen. Zunächst als Ballettdirektor und ab 2013/2014 als Ballettintendant kann der gebürtige Belgier bereits in der jetzt beginnenden Spielzeit mit dem Jubiläumsabend „10 BY BEN“ (Premiere am 15. Juni 2018) auf zehn erfolgreiche Jahre am Aalto-Theater zurückblicken.

 

Ben Van Cauwenbergh

wurde 1958 in Antwerpen geboren. Als Sohn der Tänzerin Anna Brabants („Geschwister Brabants“) erhielt er bereits frühzeitig Ballettunterricht und trat nach seiner Ausbildung am Staatlichen Institut für Ballett sein erstes Engagement beim Königlichen Ballett von Flandern an. 1976 errang er beim internationalen Ballettwettbewerb von Varna die Silbermedaille sowie die Goldmedaille beim renommierten „Prix de Lausanne“. Von 1978 bis 1984 war er Erster Solist des London Festival Ballet (heute English National Ballet) und tanzte unter der Direktion von Beryl Grey und John Field zahlreiche Hauptrollen in Balletten wie „Dornröschen“, „Giselle“ und „Schwanensee“ sowie gemeinsam mit Rudolf Nurejew in „Romeo und Julia“. Valery Panov schuf für ihn die Rolle des „Hamlet“ in seinem gleichnamigen Ballett. 1984 kehrte Ben Van Cauwenbergh an das Königliche Ballett von Flandern zurück und wurde vom Magazin „Dance and Dancers“ zum Tänzer des Jahres gewählt. 1987 wechselte er als Erster Solist zum Ballett nach Bern, 1989 als Ballettdirektor und Chefchoreograf nach Luzern. Von 1992 bis 2007 arbeitete er als Ballettdirektor und Chefchoreograf am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

2008 kam er nach Essen, wo er zunächst die Position des Ballettdirektors bekleidete und seit 2013 die Stelle des Ballettintendanten innehat.

©SAAD HAMZA